Campogrosso
Eine strategische verteidigungslinie
Die Täler von Agno und Leogra waren schon vor dem Ersten Weltkrieg ins Visier der Planer geraten, weil hier die Verteidigungsanlagen für die Pässe von Lora, Campogrosso und Pian delle Fugazze gebaut werden sollten, die wegen ihrer Nähe zur österreichischen Grenze von besonderer Bedeutung waren.
Im Mai 1915 führte der schnelle Vormarsch der italienischen Truppen in der Vallarsa und auf dem Pasubio-Massiv dazu, dass die Front in weite Ferne rückte.
Die Lage änderte sich schlagartig nach der (auch als Strafexpedition bezeichneten) überraschenden Offensive der Österreicher am 15. Mai 1916 gegen die italienische Front auf der Hochebene von Vicenza.
Nach blutigen Kämpfen wurde der österreichische Vorstoß unter schweren Verlusten in der Vallarsa – nur wenige Kilometer vor dem Campogrosso-Pass – zurückgeschlagen.
Damit lagen die strategische Bedeutung des Campogrosso-Passes und die Notwendigkeit einer von Norden nach Süden verlaufenden Verteidigungslinie auf der Hand. Diese Linie sollte für den Fall des Zusammenbruchs der Front am Pasubio einen österreichischen Vorstoß in die Täler von Agno und Leogra abwehren.
Dementsprechend ließ die Führung der 1. Armee eine Reihe von Verteidigungslinien in der Vallarsa und eine sehr starke Linie (Seconda Linea) auf dem Höhenzug zwischen Campogrosso und Pasubio anlegen.
Im Februar 1917 wurde eine dritte Linie – die Terza Linea – über den Lora-Pass, das Gazza-Bollwerk, Le Some, die Hügel im Süden der Valli dei Signori und den Monte Novegno angelegt.
Gleichzeitig entstand mit der Quarta linea strategica eine vierte Verteidigungslinie, die aus zwei rechtwinklig verlaufenden Geraden bestand: die Vorläufer der Ortogonale 1 und der Ortogonale 2. Gegen Ende des Winters 1917 hatte die erste Linie, auch Destra Leogra genannt, rechts des Leogra am Fuß der Berge zwischen dem Talausgang des Valle di Manfron und Case di Malo bereits Gestalt angenommen.
Die zweite quer zur Destra Leogra verlaufende Linie wurde Ortogonale 2 genannt. In der zweiten Jahreshälfte 1917 wurde ihr Verlauf geändert. Sie schnitt nun die Täler von Agno und Leogra und kreuzte die Destra Leogra beim Ponte delle Capre, um dann auf der anderen Seite den Hang zum Novegno hin zu erklimmen.
Anfang April 1917 befahl Generalstabschef Cadorna, der die strategische Bedeutung des Gebietes erkannt hatte, die Verlängerung der Destra Leogra bis zum Grabensystem von Vicenza und den Aufbau einer zweiten Linie (der Ortogonale 1) an der Wasserscheide zwischen Agno und Leogra von Campogrosso bis Monteviale.
Die militärischen Baubehörden des V. Armeekorps arbeiteten sofort neue Pläne aus, nach denen die beiden großen Orthogonalen sich auf dem Monte Civillina schneiden sollten. Sie wurden in mehrere Verteidigungsabschnitte eingeteilt, die mit weiteren vorgeschobenen Linien in der Ebene von Vicenza (“Linea del Piano”) verbunden wurden und so Anschluss an das dortige Grabensystem fanden. Nach den österreichischen Bombenangriffen des Jahres 1916 wurden zur Verteidigung der Schützengräben und Orte mehr und mehr Flugabwehrkanonen eingesetzt. Hinter der Ortogonale 1 gab es drei Flugplätze: Castelgomberto, Sovizzo und Trissino.
Die Ortogonale 1 an den Gebirgsausläufern bei den Flüssen Agno und Leogra wurde auf diese Weise zu einer bedeutenden Haltelinie für den Fall einer Rücknahme der Front auf die Linie Mincio – Po. Die Bedeutung dieser strategischen Linien bestätigte sich Ende 1917, als die Österreicher bei Caporetto durch die Front brachen und bis auf Piave und in die Grappa-Gegend vorstießen.
